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Wetter und Topografie: DAB+-Ausbreitung rund um Valzeina

Wie Topografie, Wetter, Luftschichtungen und Gleichwellennetze die örtliche DAB+-Exposition verändern können

Die Ausbreitung von DAB+-Signalen hängt nicht allein von Sendeleistung und Entfernung ab. Gelände, mehrere Signalwege und die Schichtung der Atmosphäre können beeinflussen, welche Signale an einem Ort eintreffen. Internationale Ausbreitungsmodelle berücksichtigen deshalb sowohl die Topografie als auch zeitliche Unterschiede der Feldstärke.

Rund um Valzeina treffen erhöhte Senderstandorte auf Täler, Bergflanken und unterschiedlich abgeschattete Wohngebiete. Diese Verhältnisse geben Anlass zu prüfen, wie sich die DAB+-Exposition an konkreten Aufenthaltsorten bei wechselnden Wetterlagen verändert. Wie gross solche Schwankungen in Bad Ragaz tatsächlich sind, ist bislang nicht ausreichend geklärt.

Betroffene berichten für Bad Ragaz von keinen beschwerdefreien Tagen. Unterschiedlich ist, wie lange sie sich dort aufhalten können, bevor die Beschwerden zu stark werden: an manchen Tagen einige Stunden, an anderen bereits nach etwa 30 Minuten. Ob wechselnde Ausbreitungsbedingungen zu diesen Unterschieden beitragen, ist eine offene Untersuchungsfrage.

Bekannte Ausbreitungsphänomene müssen auch beim Schutz der Wohnbevölkerung beachtet werden. Behörden und Betreiber sollen die örtliche Exposition unter unterschiedlichen Bedingungen untersuchen und vorsorgliche Möglichkeiten zu ihrer Verringerung prüfen. Die ungeklärte Ursache der Beschwerden ist kein Grund, die Frage nach wechselnden Belastungen unbeantwortet zu lassen.

Topografie und Signalwege in der Region

Zwischen Sargans, Bad Ragaz, Landquart, Grüsch, Schiers und Lunden wechseln offene Talabschnitte, enge Einschnitte und steile Bergflanken. Der erhöhte Senderstandort Valzeina hat deshalb nicht zu jedem Wohnort dieselbe Verbindung: Gelände kann den direkten Signalweg freigeben oder teilweise abschatten.

Am Empfangsort können neben dem direkten Signal auch an Geländekanten gebeugte und an Oberflächen reflektierte Signalanteile eintreffen. Sie überlagern sich je nach Stärke, Laufzeit und Phase. Dadurch kann die Feldstärke von Ort zu Ort unterschiedlich sein. Die Entfernung zum Sender allein beschreibt die örtliche Exposition daher nicht ausreichend.

Luftschichtungen und zeitweilige Überreichweiten

Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Luftdruck beeinflussen den Brechungsindex der Atmosphäre. Bilden sich Schichten mit unterschiedlichen Eigenschaften, können sich Funkwege verändern. Unter geeigneten Bedingungen sind auch ungewöhnliche Ausbreitung und Überreichweiten möglich. Solche Effekte werden in internationalen Ausbreitungsmodellen für Frequenzen berücksichtigt, zu denen auch DAB+ gehört.

Hochnebel oder Wolkenbänder an den Bergflanken können eine Wetterlage sichtbar machen. Der Nebel selbst beweist aber weder eine Überreichweite noch eine erhöhte DAB+-Exposition. Entscheidend wären die tatsächlichen Luftschichtungen und die gleichzeitig am Wohnort eintreffenden Signale.

Verändert sich ein Ausbreitungsweg, kann ein Signal an einem Ort stärker und an einem anderen schwächer werden. Auch das Verhältnis der empfangenen Sender und Signalwege kann sich verschieben. Ob und wie häufig dies in Bad Ragaz bei bestimmten Wetterlagen geschieht, lässt sich aus allgemeinen Modellen allein nicht bestimmen; dafür braucht es Beobachtungen am Ort unter unterschiedlichen Bedingungen.

Gleichwellennetze: Signale aus mehreren Richtungen

In einem DAB+-Gleichwellennetz übertragen mehrere Senderstandorte dasselbe Ensemble auf demselben Frequenzkanal. An einem Empfangsort können deshalb Signale mehrerer Standorte zusammentreffen. Sie haben unterschiedliche Wege zurückgelegt und treffen mit unterschiedlichen Stärken und Laufzeiten ein; hinzu kommen mögliche Reflexionen und Beugungen. Diese Mehrwegeausbreitung ist bei der Planung von DAB+-Netzen bekannt.

Ändern sich die Ausbreitungsbedingungen, kann sich das Verhältnis dieser Signalanteile verschieben. Damit kann sich auch das am Wohnort empfangene Gesamtsignal verändern, obwohl die Sender ihre Leistung nicht geändert haben. Ob und in welchem Ausmass das in Bad Ragaz geschieht, ist vor Ort zu untersuchen.

Nicht nur die Feldstärke: die zeitliche Struktur

DAB+ sendet im hier verwendeten Übertragungsmodus I Rahmen von jeweils 96 Millisekunden. Jeder Rahmen enthält ein Nullsymbol mit deutlich abgesenktem Signalpegel. Diese Struktur wiederholt sich rund 10.4167-mal pro Sekunde. Sie ist eine Eigenschaft des ausgestrahlten Signals und ändert sich durch das Wetter nicht.

Am Empfangsort überlagern sich jedoch Signale unterschiedlicher Wege und gegebenenfalls mehrerer DAB+-Ensembles. Ändert sich deren Verhältnis, kann sich neben der Feldstärke auch die gemessene Hüllkurve verändern, etwa die Tiefe der Absenkung während des Nullsymbols. Ob dies in Bad Ragaz bei bestimmten Wetterlagen tatsächlich und wiederholt geschieht, ist bisher offen.

Ein ähnlicher gemittelter Feldstärkewert bedeutet deshalb nicht zwingend einen identischen zeitlichen Signalverlauf. Die technischen Grundlagen zu Rahmen und Nullsymbol sind auf der Seite Technik & Signalstruktur ausführlicher erklärt.

Eigene Beobachtungen und die offene Frage

In eigenen Hüllkurvenmessungen in Bad Ragaz wurde wiederholt ein Signalanteil bei rund 10.4167 Hz mit Vielfachen dieser Frequenz beobachtet. Der Wert entspricht der Wiederholung des 96-Millisekunden-Rahmens von DAB+. Die bisherigen Aufnahmen zeigen jedoch noch nicht, ob sich Feldstärke und empfangene Hüllkurve bei bestimmten Wetterlagen in Bad Ragaz systematisch verändern.

Genau hier liegt die offene Frage dieser Seite: Verändern Luftschichtungen und wechselnde Ausbreitungswege die örtliche DAB+-Exposition in einem Ausmass, das für die betroffenen Wohngebiete relevant ist? Die Beobachtungen und Messgrundlagen werden auf der Seite Messungen & Beobachtungen dokumentiert.

Fazit und Handlungsbedarf

Dass Gelände und Luftschichtungen die Ausbreitung von Funksignalen beeinflussen können, ist fachlich bekannt. Für die betroffenen Wohngebiete rund um Valzeina ist jedoch nicht ausreichend geklärt, wie stark und wie häufig sich dadurch die DAB+-Exposition verändert. Eine konstante Sendeleistung beantwortet diese Frage ebenso wenig wie eine einzelne Messung.

EMF-Klartext fordert die zuständigen Behörden und Betreiber auf, diese örtlichen Veränderungen unter unterschiedlichen Bedingungen zu untersuchen und die Ergebnisse offenzulegen. Während die Frage geklärt wird, sollen vermeidbare Emissionen vorsorglich verringert werden. Zeigen sich konkrete Gefährdungen, sind weitergehende Massnahmen zur Gefahrenabwehr erforderlich. Das entspricht der Unterscheidung zwischen Vorsorge bei möglichen Risiken und Schutz vor bekannten Gefahren.

Kernaussage

Die Unsicherheit über das Ausmass wechselnder Exposition darf nicht allein bei der betroffenen Bevölkerung verbleiben. Behörden und Betreiber müssen die bekannten Ausbreitungsphänomene für die Region konkret prüfen und bis zur Klärung vorsorglich handeln.

Quellen und Grundlagen