Biologische Wirkungen und offene Forschungsfragen

Warum Pulsung, Modulation, Langzeitexposition und Wirkungen unterhalb thermisch begründeter Schwellen genauer untersucht werden müssen

Die Schweiz verfügt über eine weitgehend flächendeckende DAB+-Versorgung. Die dafür ausgestrahlten Signale sind in weiten Teilen des besiedelten Gebiets rund um die Uhr vorhanden – unabhängig davon, ob DAB+ tatsächlich genutzt wird oder ein Empfangsgerät eingeschaltet ist. Die örtliche Expositionshöhe unterscheidet sich je nach Senderleistung, Entfernung, Topografie, Gebäudedämpfung und Ausbreitungsbedingungen.

Damit betreffen offene Fragen zu Pulsung, Modulation, Langzeitexposition und biologischen Wirkungen nicht nur das unmittelbare Umfeld einzelner Sendeanlagen. Sie besitzen Bedeutung für grosse Teile der Bevölkerung – besonders dort, wo leistungsstarke Rundfunksender, mehrere DAB+-Ensembles und eine dauerhafte Exposition in Wohn- und Schlafräumen zusammentreffen.

DAB+ weist neben der dauerhaften Ausstrahlung eine ausgeprägte zeitliche Struktur auf. Dazu gehören das regelmässige Nullsymbol, das 96-ms-Raster, daraus entstehende niederfrequente Hüllkurvenanteile, Signalflanken, Oberwellen sowie Strukturen der OFDM-Modulation im Kilohertzbereich.

Diese Seite behauptet keinen abschliessend nachgewiesenen DAB+-spezifischen Wirkmechanismus. Sie zeigt, welche biologischen Befunde bereits vorliegen, welche Fragen ungeklärt sind und welche wissenschaftlichen Nachweise die zuständigen Behörden für ihre heutige Bewertung vorlegen können.

Kernaussage

DAB+ ist eine schweizweit grossräumig verbreitete, rund um die Uhr aktive und periodisch strukturierte Hochfrequenzexposition. In ländlichen und sendernahen Gebieten kann Rundfunk dauerhaft den dominanten Anteil der gemessenen Hochfrequenzexposition ausmachen.

Weshalb DAB+ gesondert betrachtet werden muss

Die geltenden Grenzwerte bewerten hochfrequente Expositionen im Wesentlichen anhand von Feldstärke, Leistungsflussdichte oder spezifischer Absorptionsrate. Unterschiede zwischen kontinuierlichen und zeitlich strukturierten Signalen werden dabei hauptsächlich berücksichtigt, soweit sie den gemittelten Energieeintrag verändern.

DAB+ verbindet jedoch mehrere besondere Merkmale:

  • eine grossräumige und dauerhafte Ausstrahlung,
  • mehrere parallel betriebene Ensembles,
  • ein regelmässiges 96-ms-Raster,
  • eine periodische Absenkung während des Nullsymbols,
  • ausgeprägte Wiedereinschaltflanken,
  • niederfrequente Grundtakte und Oberwellen,
  • OFDM-Strukturen im Kilohertzbereich,
  • Überlagerungen durch Gleichwellennetze, Mehrwegausbreitung und unterschiedliche Sendernetze sowie
  • eine Exposition, die von den Betroffenen nicht durch Ausschalten eines eigenen Geräts beendet werden kann.

Die International Commission on the Biological Effects of Electromagnetic Fields, kurz ICBE-EMF, kritisiert die Beschränkung heutiger Schutzkonzepte auf thermische Wirkungen und zeitlich gemittelte Dosimetrie. Als mögliche Einflussgrössen nennt sie unter anderem Modulation, Pulsung, Frequenz, Expositionsdauer und individuelle Empfindlichkeit.

Daraus entstehen konkrete Fragen: Wirkt ein periodisch strukturiertes Signal biologisch gleich wie ein kontinuierliches Signal mit demselben Mittelwert? Welche Bedeutung besitzen Wiederholungsfrequenz, Signalflanken und Expositionsdauer? Und welche Eigenschaften weist das Signal am tatsächlichen Aufenthaltsort unter realen Ausbreitungsbedingungen auf?

Nervensystem, Schlaf und Hirnaktivität

Das Nervensystem arbeitet mit elektrischen und elektrochemischen Vorgängen. Veränderungen der Hirnaktivität nach Hochfrequenzexposition wurden in experimentellen Untersuchungen beobachtet und auch in Berichten im Auftrag des Bundesamtes für Umwelt thematisiert.

Von besonderem Interesse sind:

  • Veränderungen im EEG,
  • Schlafqualität und Schlafarchitektur,
  • Aufmerksamkeit und Gedächtnis,
  • autonome Regulation und Herzratenvariabilität,
  • Kopfschmerzen und ungewöhnliche Geräuschwahrnehmungen sowie
  • mögliche verzögerte Reaktionen nach Beendigung einer Exposition.

Der 10,41-Hz-Takt und die Alpha-Aktivität

Im DAB+-Übertragungsmodus I wiederholt sich der Übertragungsrahmen alle 96 Millisekunden. Zu Beginn jedes Rahmens befindet sich ein ungefähr 1,3 Millisekunden langes Nullsymbol. In einer Hüllkurven- oder Zeitbereichsdarstellung kann daraus eine regelmässige Struktur von rund 10,41 Hertz entstehen.

Dieser Wert liegt innerhalb des üblichen Frequenzbereichs der Alpha-Aktivität des Gehirns:

EEG-BereichFrequenzbereichHäufige Zuordnung
Deltaungefähr 0,5–4 HzTiefschlaf und Erholung
Thetaungefähr 4–8 HzSchläfrigkeit und Übergang zum Schlaf
Alphaungefähr 8–13 Hzentspannter Wachzustand und Ruhe
Betaungefähr 13–30 HzAufmerksamkeit und aktive Verarbeitung
Gammaüber ungefähr 30 Hzkomplexe Reizverarbeitung

Die zahlenmässige Übereinstimmung einer technischen Taktfrequenz mit einem EEG-Bereich beweist weder eine Kopplung noch eine gesundheitliche Wirkung. Sie begründet jedoch eine klar überprüfbare Forschungsfrage: Kann eine dauerhaft vorhandene äussere Zeitstruktur im Bereich körpereigener Hirnrhythmen die Hirnaktivität, den Schlaf oder die Erholung beeinflussen?

Periodische Signalverläufe erzeugen zudem Oberwellen. Ausgehend von 10,41 Hertz können Komponenten um ungefähr 20,8, 31,2 und 41,6 Hertz auftreten. Sie reichen damit vom Alpha-Bereich über den Beta-Bereich bis in den Gamma-Bereich.

Abhängig von der Zusammensetzung mehrerer Signale, der Überlagerung unterschiedlicher Sendernetze und von Unterschieden zwischen aufeinanderfolgenden Übertragungsrahmen können auch längerperiodische Strukturen auftreten. Ob darunter eine Komponente um ungefähr 5,2 Hertz am jeweiligen Messort reproduzierbar vorhanden ist, muss messtechnisch geklärt werden. Sie darf nicht ohne entsprechenden Nachweis als allgemeine Eigenschaft jedes DAB+-Signals vorausgesetzt werden.

Das BAFU kennt Veränderungen der Hirnströme

Eine 2019 im Auftrag des BAFU erstellte Machbarkeitsstudie zum Gesundheitsmonitoring nichtionisierender Strahlung hielt fest, dass relativ konsistent Einflüsse auf Hirnströme beobachtet worden seien – insbesondere auf Alpha-Wellen im Schlaf-EEG.

Die Studie bezeichnete Hirnströme als mögliche physiologische Parameter, wies aber darauf hin, dass die gesundheitliche Bedeutung der beobachteten Veränderungen schwierig zu beurteilen sei. Ein allgemeines EEG-Monitoring wurde wegen des hohen Aufwands und zahlreicher möglicher Einflussfaktoren nicht empfohlen. Stattdessen wurden gezielte Studien unter Einbezug individueller Expositionsdaten vorgeschlagen.

Damit war spätestens 2019 behördlich dokumentiert, dass Veränderungen der Hirnaktivität ein wissenschaftlich relevanter Untersuchungsbereich sind. Dass die gesundheitliche Bedeutung noch nicht geklärt war, ist keine Entwarnung. Es bezeichnet eine offene Forschungsfrage.

Offene Frage an das BAFU

Welche gezielten Untersuchungen wurden seit 2019 veranlasst, um die dokumentierten Einflüsse hochfrequenter elektromagnetischer Felder auf Hirnströme und deren gesundheitliche Bedeutung zu klären?

In den öffentlich zugänglichen Unterlagen ist bisher keine DAB+-spezifische Untersuchung erkennbar, welche die reale Signalstruktur, die Langzeitexposition, Hirnaktivität und Schlaf gemeinsam untersucht.

Veränderungen können verzögert auftreten

Der BERENIS-Newsletter vom September 2022 bespricht Untersuchungen mit einem GSM-Signal, das mit 217 Hertz gepulst war. In der Magnetoenzephalografie wurde nach der Exposition eine signifikante Abnahme der Alpha-Aktivität im Bereich von 8 bis 12 Hertz beobachtet. Während der Exposition zeigten die EEG-Messungen dagegen keine entsprechende Veränderung.

Diese Untersuchung betraf weder DAB+ noch eine 10,41-Hz-Struktur. Methodisch ist sie dennoch relevant: Eine biologische Reaktion muss nicht zwingend gleichzeitig mit der Exposition auftreten. Veränderungen können möglicherweise erst danach erkennbar werden.

Damit stellt sich die Frage, ob kurze Ein- und Ausschaltversuche verzögerte Reaktionen und notwendige Erholungszeiten überhaupt erfassen können. Bei einer Rundfunkexposition, die am Wohnort rund um die Uhr vorhanden ist, fehlt zudem eine eindeutig unbelastete Vergleichs- und Erholungsphase.

EHS und individuelle Empfindlichkeit

Menschen, die ihre Beschwerden mit elektromagnetischen Feldern in Verbindung bringen, werden in der Fachliteratur häufig unter den Begriffen Elektrohypersensibilität (EHS) oder Idiopathic Environmental Intolerance attributed to Electromagnetic Fields (IEI-EMF) erfasst.

Zu den häufig berichteten Beschwerden gehören:

  • Schlafstörungen,
  • Kopfschmerzen und Druckempfindungen,
  • Tinnitus und ungewöhnliche Geräuschwahrnehmungen,
  • Konzentrations- und Gedächtnisprobleme,
  • innere Unruhe,
  • Kribbeln und Missempfindungen,
  • Muskelverspannungen sowie
  • eine eingeschränkte Erholungsfähigkeit.

Die Beschwerden können Gesundheit, Wohnsituation, Arbeitsfähigkeit und gesellschaftliche Teilhabe erheblich beeinträchtigen. Dass kontrollierte Provokationsstudien bisher nicht bei allen Betroffenen eine zuverlässige individuelle Zuordnung zur jeweiligen Exposition zeigen konnten, beweist weder einen bestimmten Wirkmechanismus noch die Irrealität der Beschwerden. Es zeigt vielmehr, wie schwierig die methodische Erfassung sein kann.

Von Bedeutung sind insbesondere:

  • die genaue Signalform statt nur eine allgemeine Angabe wie «Hochfrequenz»,
  • mögliche verzögerte Reaktionen,
  • ausreichend lange Beobachtungszeiträume,
  • individuelle Unterschiede,
  • reale Mehrfachbelastungen,
  • räumlich und zeitlich dokumentierte Beschwerdeverläufe sowie
  • objektiv erfasste Veränderungen der Exposition.

Die EUROPAEM-Leitlinie empfiehlt deshalb eine umfassende Anamnese, bei der Beschwerden räumlich und zeitlich erfasst und mit möglichen Expositionsquellen in Beziehung gesetzt werden.

Oxidativer Stress und fehlende Erholungsphasen

Oxidativer Stress entsteht, wenn die Bildung reaktiver Sauerstoffspezies und die antioxidativen Schutzmechanismen eines Organismus aus dem Gleichgewicht geraten. Er kann Signalwege, Zellmembranen, Proteine und Erbmaterial beeinflussen.

Der BERENIS-Sondernewsletter vom Januar 2021 wertete die damalige Studienlage zu elektromagnetischen Feldern und oxidativem Stress aus. Nach Einschätzung der Expertengruppe zeigte die Mehrzahl der berücksichtigten Tierstudien und mehr als die Hälfte der Zellstudien Hinweise auf erhöhten oxidativen Stress. Solche Beobachtungen wurden teilweise auch bei Expositionen im Bereich der Anlagegrenzwerte festgestellt.

Der Newsletter beschreibt zugleich Anpassungs- und Gegenregulationsmechanismen. Zellen können antioxidative Schutzsysteme aktivieren und sich nach dem Ende einer Belastung teilweise erholen. Damit wird die Erholungsphase selbst zu einer wichtigen Bewertungsgrösse.

In experimentellen Studien endet die Exposition normalerweise nach einer definierten Zeit. An einem Wohnort mit dauerhaft vorhandenen Rundfunksignalen fehlt möglicherweise über lange Zeit eine vergleichbare vollständige Expositionspause.

Daraus folgt nicht automatisch, dass eine biologische Regeneration unmöglich ist. Ungeklärt bleibt jedoch, ob notwendige Anpassungs- und Erholungsprozesse bei einer permanenten, zeitlich strukturierten Langzeitexposition in gleichem Umfang stattfinden können.

Offene Frage an das BAFU

Welche Untersuchungen wurden seit dem BERENIS-Sondernewsletter von 2021 veranlasst, um zu klären, ob die beschriebenen Anpassungs- und Erholungsmechanismen auch unter einer über Jahre bestehenden Tag-und-Nacht-Exposition ausreichend wirksam bleiben?

Modulation, Pulsung und Expositionsdauer

ICBE-EMF ist ein internationaler Zusammenschluss von Wissenschaftlerinnen, Wissenschaftlern und medizinischen Fachpersonen, der sich mit biologischen und gesundheitlichen Wirkungen nichtionisierender elektromagnetischer Felder befasst.

Für die Beurteilung von DAB+ ist die Arbeit der Organisation besonders relevant, weil sie genau jene Bewertungslücken thematisiert, die bei einem periodisch strukturierten Rundfunksignal entscheidend sind:

  • Pulsung und Modulation,
  • Unterschiede zwischen realen und vereinfachten Laborsignalen,
  • langfristige und wiederholte Exposition,
  • Wirkungen unterhalb thermisch begründeter Schwellen,
  • unterschiedliche Empfindlichkeit einzelner Bevölkerungsgruppen sowie
  • Grenzen zeitlich gemittelter Dosimetrie.

Eine 2025 veröffentlichte Evidenzkartierung von Weller und Mitautoren erfasste mehr als 500 Arbeiten zur Genotoxizität hochfrequenter elektromagnetischer Felder. Die Ergebnisse waren nicht einheitlich. Die Autoren bewerteten jedoch Expositionsdauer und reale Signalformen als besonders wichtige Einflussgrössen und sahen weiteren Forschungs- und Vorsorgebedarf.

Panagopoulos und Mitautoren stellen in einer 2025 veröffentlichten Übersichtsarbeit die zeitliche Variabilität und Modulationscharakteristik anthropogener elektromagnetischer Felder in den Mittelpunkt eines vorgeschlagenen biologischen Wirkmodells. Das Modell und seine Schlussfolgerungen sind wissenschaftlich zu prüfen und beweisen keine DAB+-spezifische Wirkung. Die Arbeit zeigt jedoch, dass die zeitliche Struktur eines Signals nicht ohne Untersuchung als bedeutungslos vorausgesetzt werden kann.

Fortpflanzung und Entwicklung

Experimentelle Untersuchungen befassen sich mit möglichen Wirkungen hochfrequenter elektromagnetischer Felder auf Spermienqualität, Keimzellen, Schwangerschaftsrate, Entwicklung und weitere reproduktionsbiologische Parameter.

Neuere systematische Auswertungen von Tierdaten berichten Hinweise auf eine verminderte Schwangerschaftsrate und eine reduzierte Spermienzahl. Die Aussagekraft für konkrete menschliche Expositionssituationen muss jeweils anhand der verwendeten Frequenzen, Intensitäten, Signalformen und Expositionszeiten beurteilt werden.

Gerade bei Fortpflanzung und Entwicklung können Zeitpunkt, Dauer und Erholungsphasen eine besondere Rolle spielen. Kurzfristige Laboruntersuchungen beantworten daher nicht automatisch die Frage nach einer jahrelangen realen Dauerexposition.

Melnick und Moskowitz kamen 2026 anhand experimenteller Daten zu Krebs- und Reproduktionswirkungen zum Schluss, dass die bestehenden hochfrequenzbezogenen Grenzwerte relevante Risiken nicht angemessen abbildeten. Sie forderten eine unabhängige Neubewertung der Schutzkonzepte.

Krebsrisiken und Forderungen nach einer Neubewertung

Die Internationale Agentur für Krebsforschung IARC ist eine Einrichtung der Weltgesundheitsorganisation WHO. Sie stufte hochfrequente elektromagnetische Felder 2011 als möglicherweise krebserregend für Menschen – Gruppe 2B ein. Grundlage waren damals begrenzte Hinweise auf ein erhöhtes Risiko für Gliome und Akustikusneurinome im Zusammenhang mit der Nutzung von Mobiltelefonen.

Diese Einstufung ist bis heute formell gültig. Sie berücksichtigt jedoch zahlreiche Forschungsergebnisse noch nicht, die erst nach der damaligen Bewertung veröffentlicht wurden.

Neue Evidenz aus Tierstudien

Das US-amerikanische National Toxicology Program stellte bei männlichen Ratten klare Evidenz für einen Zusammenhang zwischen der untersuchten Hochfrequenzexposition und malignen Schwannomen des Herzens fest. Für bösartige Gliome des Gehirns wurde eine geringere Evidenzstufe ausgewiesen.

Auch die Langzeitstudie des Ramazzini-Instituts beobachtete bei männlichen Ratten am höchsten untersuchten Expositionsniveau eine statistisch signifikante Zunahme von Herzschwannomen. Die Tiere waren während 19 Stunden täglich über einen grossen Teil ihres Lebens exponiert.

Eine teilweise von der WHO finanzierte systematische Übersichtsarbeit von Mevissen und Mitautoren wertete 2025 insgesamt 51 experimentelle Tierstudien aus. Die Autorinnen und Autoren beurteilten die Evidenz für ein erhöhtes Risiko von Gliomen sowie von malignen Herzschwannomen bei männlichen Ratten als hoch. Für bestimmte Tumoren der Nebenniere, der Leber und der Lunge wurde eine moderate Evidenzstufe ausgewiesen.

Bemerkenswert ist, dass Gliome und Schwannome bereits bei der IARC-Bewertung von 2011 zu den beim Menschen diskutierten Tumorarten gehörten. Die Übersichtsarbeit weist zugleich darauf hin, dass die Übertragung der Ergebnisse auf konkrete menschliche Expositionen komplex ist und unter anderem vom geeigneten Expositionsmass und vom zugrunde liegenden Wirkmechanismus abhängt.

Forderungen nach einer höheren Einstufung

ICBE-EMF erklärte 2025, die neue Tierstudienauswertung verstärke die Forderung nach einer dringenden Neubewertung der IARC-Klassifikation hochfrequenter elektromagnetischer Felder. Die Organisation verlangt zudem eine Überarbeitung der bestehenden Expositionsgrenzwerte.

Andere Wissenschaftler und wissenschaftliche Gruppen gehen weiter. Hardell und Carlberg kamen bereits 2020 zum Schluss, die seit 2011 hinzugekommene Human-, Tier- und Mechanismusevidenz rechtfertige eine Heraufstufung von Gruppe 2B auf Gruppe 1 – krebserregend für Menschen. Auch BioInitiative, ICEMS und ICBE-EMF werden in der wissenschaftlichen Diskussion den Positionen zugerechnet, welche die vorhandene Evidenz für eine Einstufung als menschliches Karzinogen als ausreichend ansehen.

Diese Position ist wissenschaftlich umstritten und stellt noch keine neue IARC-Klassifikation dar. Sie zeigt jedoch, dass die weiterhin verwendete Einstufung von 2011 nicht mehr den gesamten inzwischen veröffentlichten Forschungsstand abbildet.

Die IARC selbst hat eine erneute Bewertung hochfrequenter elektromagnetischer Felder wegen neuer Erkenntnisse aus Humanstudien, Tierstudien und mechanistischen Untersuchungen als prioritär bezeichnet. Das Ergebnis einer solchen Neubewertung darf nicht vorweggenommen werden. Es ist aber nicht sachgerecht, die Einstufung von 2011 wie eine abschliessende Entwarnung zu behandeln.

Kernaussage

Die offizielle IARC-Einstufung lautet weiterhin «möglicherweise krebserregend – Gruppe 2B». Seit 2011 sind jedoch bedeutende Tier- und Mechanismusergebnisse hinzugekommen. ICBE-EMF fordert deshalb eine dringende Neubewertung; weitere Wissenschaftler und Fachgruppen sehen bereits ausreichende Gründe für eine Einstufung als krebserregend für Menschen.

Die IARC-Klassifikation beschreibt grundsätzlich eine krebserzeugende Gefahr. Sie beantwortet nicht automatisch, wie gross das Risiko bei einer bestimmten Feldstärke, Signalform oder Expositionsdauer ist. Die genannten Untersuchungen sind daher kein Beweis für eine DAB+-spezifische Krebswirkung. Sie verstärken jedoch den Bedarf, dauerhaft vorhandene reale Expositionen unabhängig und unter Einbezug ihrer tatsächlichen Signalmerkmale zu untersuchen.

EUROPAEM erkannte den besonderen Vorsorgebedarf bereits 2016

Die EUROPAEM-Leitlinie von 2016 befasst sich mit Prävention, Diagnostik und Behandlung EMF-bezogener Gesundheitsprobleme. Sie empfiehlt eine umfassende Anamnese und unterscheidet ausdrücklich zwischen Expositionen am Tag, während der Nacht und bei besonders empfindlichen Personen.

Für DAB+ nennt die Leitlinie folgende vorsorgeorientierte Empfehlungen:

ExpositionssituationEUROPAEM-Empfehlung
tagsüber10 µW/m²
nachts1 µW/m²
empfindliche Personen0,1 µW/m²

Diese Werte sind keine gesetzlichen schweizerischen Grenzwerte. Sie ersetzen weder eine medizinische Abklärung noch eine genaue Beurteilung der Messbedingungen. Bemerkenswert ist jedoch, dass EUROPAEM für DAB+ mit seiner ungefähr 10,4-Hz-Struktur und für WLAN mit einer dort angegebenen 10-Hz-Pulsung besonders tiefe Werte empfiehlt. Für analogen UKW-Rundfunk werden deutlich höhere Werte genannt.

Die Empfehlungen zeigen, dass EUROPAEM bereits 2016 einen besonderen Vorsorgebedarf bei periodisch strukturierten Expositionen annahm und dabei die Nacht sowie empfindliche Personen gesondert berücksichtigte.

Keine systematische Nachtabsenkung

Schlaf ist eine zentrale Phase für neurologische Regulation, zelluläre Erholung und Regeneration. EUROPAEM empfiehlt deshalb für die Nacht einen zehnmal tieferen Wert als für den Aufenthalt am Tag.

Dieser Differenzierung steht beim schweizerischen DAB+-Betrieb keine vorsorgebedingte, systematische Nachtabsenkung der Ausstrahlung gegenüber. Die DAB+-Ensembles werden grundsätzlich während 24 Stunden betrieben. Die Signale bleiben damit auch während der gesamten Schlaf- und Erholungsphase vorhanden.

Nächtliche Veränderungen der örtlichen Feldstärke können durch Wetter, atmosphärische Schichtung, Mehrwegausbreitung oder die Überlagerung verschiedener Sender entstehen. Dabei handelt es sich nicht um eine kontrollierte Nachtabsenkung. Unter bestimmten Ausbreitungsbedingungen kann die am Wohnort gemessene Exposition nachts auch zunehmen.

Damit stellt sich die Frage, wie der besondere Schutz der nächtlichen Erholungsphase gewährleistet werden soll, wenn eine grossräumige Rundfunkexposition während des gesamten Tages und der gesamten Nacht fortbesteht.

Amtliche Messwerte aus Bad Ragaz und deren Vergleich mit den EUROPAEM-Empfehlungen werden auf der Seite «Messungen und Dokumentation» dargestellt.

Exkurs: Kilohertz-Strukturen und Mikrowellen-Höreffekt

Die OFDM-Modulation von DAB+ weist neben niederfrequenten Hüllkurvenanteilen auch Strukturen im Kilohertzbereich auf. Dazu gehören Komponenten im Umfeld von 1, 2 und 4 Kilohertz. Diese Frequenzwerte liegen innerhalb des menschlichen Hörbereichs.

Das bedeutet nicht, dass DAB+-Strahlung unmittelbar wie Luftschall gehört wird. Eine elektrische Hüllkurvenkomponente ist kein akustischer Ton. Die Übereinstimmung mit dem Hörfrequenzbereich begründet jedoch die Frage, ob solche Strukturen unter bestimmten Bedingungen durch physikalische, neurophysiologische oder technische Demodulationsprozesse wahrnehmbar werden können.

Dass kurze Hochfrequenzimpulse unter bestimmten Bedingungen eine Hörwahrnehmung auslösen können, ist durch den Mikrowellen-Höreffekt beziehungsweise Frey-Effekt grundsätzlich belegt. Als anerkannter Erklärungsansatz gilt eine thermoelastisch erzeugte Druckwelle nach sehr kurzen Hochfrequenzimpulsen.

Die dabei untersuchten Spitzenleistungen und Impulsbedingungen unterscheiden sich deutlich von einer üblichen DAB+-Exposition. Der Frey-Effekt ist daher kein Nachweis dafür, dass DAB+ entsprechende Wahrnehmungen verursacht.

Auch die Modellierung von Dagro und Mitautoren untersuchte extrem leistungsstarke, kurze Mikrowellenimpulse und mögliche mechanische Belastungen des Gehirns. Sie darf nicht als Studie zum normalen DAB+-Senderbetrieb oder als Nachweis eines DAB+-Höreffekts dargestellt werden.

Der Exkurs zeigt vielmehr, weshalb bei zeitlich strukturierten Hochfrequenzsignalen neben Mittelwerten auch Impulsdauer, Signalform und Spitzenleistung physikalisch relevant sein können.

Was das bestehende Monitoring beantwortet – und was nicht

Das nationale SwissNIS-Monitoring liefert wichtige Informationen über die Höhe der Hochfrequenzexposition in der Schweiz. Nach Angaben des BAFU werden die wichtigsten Quellen in typischen öffentlichen Aussen- und Innenbereichen sowie in Privatwohnungen erfasst.

Der SwissNIS-Jahresbericht 2024 zeigt, dass die Kategorie Rundfunk – hauptsächlich UKW und DAB/DAB+ – in den untersuchten Landwirtschaftsgebieten einen sehr grossen Teil der gemessenen Exposition ausmachen konnte. Über sämtliche untersuchten Landwirtschaftsgebiete betrug ihr relativer Anteil:

  • 91 Prozent des gemessenen Effektivwertes und
  • 96 Prozent des kurzzeitigen Spitzenwertes.

Dieses Ergebnis wurde wesentlich durch drei Gebiete in der Nähe leistungsstarker Rundfunksender geprägt. Es erlaubt deshalb weder eine Verallgemeinerung auf die gesamte Schweiz noch eine vollständige Zuordnung zu DAB+ allein.

Der Befund zeigt aber eindeutig: In ländlichen und sendernahen Gebieten kann Rundfunk die dominante, dauerhaft vorhandene Hochfrequenzexposition darstellen.

Das SwissNIS-Monitoring erfasst die Expositionshöhe. Es beantwortet jedoch nicht sämtliche Fragen zur zeitlichen Signalstruktur. Insbesondere rekonstruiert es keine fortlaufende DAB+-Hüllkurve und untersucht nicht systematisch:

  • das Nullsymbol im 96-ms-Raster,
  • niederfrequente Grundtakte und Oberwellen,
  • die zeitliche Abfolge der Signalflanken,
  • Unterschiede zwischen einzelnen DAB+-Ensembles,
  • Veränderungen durch Gleichwellennetze und Mehrwegausbreitung,
  • Kilohertz-Strukturen der OFDM-Modulation oder
  • eine zeitliche Verbindung mit EEG-, Schlaf- oder Beschwerdedaten.

Diese Einschränkung ist kein Vorwurf an das Monitoring. Sie zeigt, dass ein pegelorientiertes Expositionsmonitoring andere Fragen beantwortet als eine Untersuchung möglicher biologischer Wirkungen zeitlich strukturierter Signale.

Die Messverfahren, amtlichen Messwerte und lokalen Expositionsverhältnisse werden auf der Messseite getrennt dokumentiert.

→ [Internen Link zur Messseite einfügen]

Konsequente DAB+-Migration ohne erkennbare Begleitforschung

Die Schweiz hat die Digitalisierung des Rundfunks besonders konsequent vorangetrieben. DAB+ wurde grossräumig ausgebaut und wird von zahlreichen, teilweise leistungsstarken Senderstandorten rund um die Uhr ausgestrahlt.

Bereits 2011 wurde in Deutschland auf hohe Strahlungsleistungen einzelner DAB+-Standorte, die periodische Struktur von ungefähr 10,42 Hertz und Beschwerden elektrosensibler Personen hingewiesen. Diese Hinweise stellen für sich allein keinen wissenschaftlichen Wirkungsnachweis dar. Sie hätten jedoch Anlass für eine frühzeitige technologiebezogene Begleitforschung geben können.

Für die Schweiz ist bis heute keine umfassende DAB+-spezifische Begleitstudie erkennbar, welche gleichzeitig folgende Faktoren berücksichtigt:

  • die reale DAB+-Signalstruktur,
  • eine langfristige Exposition in Wohn- und Schlafräumen,
  • Schlaf und Hirnaktivität,
  • mögliche verzögerte Reaktionen,
  • besonders empfindliche Personen,
  • mehrere gleichzeitig einwirkende Ensembles und Sender sowie
  • topografisch und funktechnisch anspruchsvolle Gebiete.

Diese Forschungslücke ist besonders erklärungsbedürftig, weil die Schweiz DAB+ weitgehend flächendeckend eingeführt hat, über eine anspruchsvolle alpine Topografie verfügt und das BAFU seit Jahren sowohl Hinweise auf Veränderungen der Hirnströme als auch auf oxidativen Stress kennt.

Offene Fragen an Behörden und Betreiber

Die Aufgabe der Betroffenen besteht nicht darin, den zuständigen Behörden ein vollständiges Forschungsprogramm vorzugeben. Entscheidend ist vielmehr, auf welchen wissenschaftlichen Nachweisen die heutige Bewertung beruht und welche offenen Fragen tatsächlich bearbeitet wurden.

Die folgenden Fragen sollten deshalb konkret, dokumentiert und quellenbasiert beantwortet werden.

Wissenschaftliche Bewertungsgrundlage

  1. Welche DAB+-spezifischen Gesundheitsuntersuchungen wurden in der Schweiz vor oder nach dem flächendeckenden Ausbau durchgeführt?
  2. Welche dieser Untersuchungen berücksichtigten die reale Signalstruktur einschliesslich Nullsymbol, 96-ms-Raster, Hüllkurvenfrequenzen, Oberwellen und Signalflanken?
  3. Auf welche wissenschaftlichen Nachweise stützt sich die Annahme, dass diese zeitlichen Signalmerkmale unterhalb der geltenden Grenzwerte keine eigenständige gesundheitliche Bedeutung besitzen?
  4. Welche Untersuchungen bilden eine reale Exposition über den gesamten Tag, die Nacht und längere Zeiträume ab?

Hirnaktivität, Schlaf und Erholung

  1. Welche gezielten Untersuchungen wurden seit der BAFU-Machbarkeitsstudie von 2019 veranlasst, um die beschriebenen Veränderungen der Hirnströme und deren gesundheitliche Bedeutung zu klären?
  2. Wie werden mögliche verzögerte Reaktionen berücksichtigt, die erst nach dem Ende einer Exposition erkennbar werden?
  3. Welche Folgerungen zog das BAFU aus dem BERENIS-Sondernewsletter von 2021 zum oxidativen Stress?
  4. Auf welchen Erkenntnissen beruht die Annahme, dass notwendige Anpassungs- und Erholungsprozesse bei einer permanenten Tag-und-Nacht-Exposition ausreichend stattfinden?
  5. Wie wird der besonderen Bedeutung des Schlafs Rechnung getragen, wenn keine systematische Nachtabsenkung der DAB+-Ausstrahlung besteht?

Empfindliche Personen und reale Expositionen

  1. Welche Untersuchungen beziehen besonders empfindliche Personen und schwerwiegende ortsabhängige Beschwerden ein?
  2. Wie werden mehrere gleichzeitig einwirkende DAB+-Ensembles, unterschiedliche Sendernetze, Gleichwellenbetrieb, Mehrwegausbreitung und wetterabhängige Veränderungen bewertet?
  3. Welche Bedeutung messen die zuständigen Stellen den wesentlich tieferen EUROPAEM-Empfehlungen für die Nacht und für empfindliche Personen bei?
  4. Wie beurteilen sie dokumentierte Messwerte, welche diese vorsorgeorientierten Empfehlungen deutlich überschreiten, obwohl die gesetzlichen Grenzwerte eingehalten werden?

Monitoring und Zuständigkeit

  1. Welche DAB+-spezifischen Aussagen kann das SwissNIS-Monitoring aufgrund seiner Messmethodik treffen – und welche ausdrücklich nicht?
  2. Welche Behörde trägt die fachliche Verantwortung für die Klärung der offenen gesundheitlichen Fragen: BAFU, BAG, BAKOM oder eine andere Stelle?
  3. Falls keine umfassenden DAB+-spezifischen Untersuchungen vorliegen: Auf welcher wissenschaftlichen Grundlage wird die bestehende gesundheitliche Bewertung dennoch als ausreichend angesehen?

Fazit

Die biologische Bedeutung der DAB+-spezifischen Signalstruktur ist bisher nicht abschliessend geklärt. Ungeklärt bedeutet jedoch nicht irrelevant.

DAB+ ist grossräumig verbreitet, rund um die Uhr aktiv und periodisch strukturiert. In ländlichen und sendernahen Gebieten kann Rundfunk den dominanten Anteil der gemessenen Hochfrequenzexposition ausmachen. Gleichzeitig fehlt eine erkennbare umfassende Begleitforschung, welche die reale DAB+-Signalstruktur, Langzeitexposition, Schlaf, Hirnaktivität, mögliche verzögerte Reaktionen und empfindliche Personen gemeinsam untersucht.

Behördenberichte beschreiben Einflüsse hochfrequenter Expositionen auf Hirnströme und Hinweise auf oxidativen Stress. Internationale Fachgremien und neuere Übersichtsarbeiten weisen darauf hin, dass Modulation, Pulsung, reale Signalformen und Expositionsdauer wissenschaftlich relevante Einflussgrössen sein können. Das Schweizer Expositionsmonitoring erfasst die Höhe der Exposition, beantwortet jedoch nicht die daraus entstehenden biologischen Fragen.

Kernaussage

Die Einhaltung thermisch begründeter Immissionsgrenzwerte und pegelorientierter Anlagegrenzwerte beantwortet nicht, ob eine dauerhaft vorhandene, zeitlich strukturierte DAB+-Exposition biologisch unbedenklich ist. Die zuständigen Stellen müssen offenlegen, welche Untersuchungen diese Frage beantworten und auf welchen wissenschaftlichen Nachweisen ihre heutige Bewertung beruht. Solange entsprechende Nachweise fehlen, bleibt die gesundheitliche Bewertung unvollständig.

Persönliche Einordnung: Eine Frage, die gestellt werden muss

Die folgenden Überlegungen behaupten keinen kausalen Zusammenhang. Sie sind eine persönliche Schlussfolgerung aus der Breite der offenen Fragen und aus der gesellschaftlichen Tragweite ungeklärter gesundheitlicher Entwicklungen.

Unternehmen und öffentliche Einrichtungen sehen sich mit hohen und teilweise steigenden krankheitsbedingten Absenzen konfrontiert. Viele Menschen leiden unter Schlafstörungen, anhaltender Erschöpfung, Konzentrationsproblemen oder anderen gesundheitlichen Beeinträchtigungen, ohne deren Ursachen eindeutig zu kennen oder zuordnen zu können. Die meisten bringen solche Beschwerden nicht mit elektromagnetischen Feldern in Verbindung.

Gleichzeitig ist die Zahl der gestellten Diagnosen von Autismus-Spektrum-Störungen (ASS) in zahlreichen Ländern deutlich gestiegen. Daraus lässt sich nicht unmittelbar ableiten, dass auch die tatsächliche Häufigkeit im gleichen Mass zugenommen hat. Eine bessere Erkennung, veränderte Diagnosekriterien und eine vollständigere Erfassung spielen zweifellos eine Rolle. Damit ist jedoch nicht beantwortet, ob sämtliche Einflussfaktoren auf die frühe neurologische Entwicklung ausreichend untersucht sind. Auch Epilepsie verursacht eine erhebliche gesundheitliche, gesellschaftliche und wirtschaftliche Belastung.

Es handelt sich nicht bloss um unspezifische Phänomene, sondern um unterschiedliche Beschwerden, neurologische Erkrankungen und Störungen der neurologischen Entwicklung. Medizinisch dürfen sie nicht gleichgesetzt werden.

Gemeinsam ist ihnen jedoch, dass sie die Entwicklung, Funktion oder Regulation des Nervensystems betreffen können.

Gerade diese neurobiologische Schnittstelle begründet die Frage, ob mögliche Umwelt- und Technikeinflüsse auf die neurologische Gesundheit ausreichend untersucht werden. Daraus darf keine gemeinsame Ursache und insbesondere kein kausaler Zusammenhang mit elektromagnetischen Feldern abgeleitet werden – die Frage deshalb gar nicht zu untersuchen, wäre jedoch ebenso wenig überzeugend.

Aber ebenso wenig überzeugt es, einen möglichen Beitrag grossräumig verbreiteter, rund um die Uhr aktiver und periodisch strukturierter Hochfrequenzexpositionen wie DAB+ gar nicht erst systematisch zu untersuchen. Dass Betroffene selbst keinen solchen Zusammenhang vermuten, kann eine wissenschaftliche Prüfung nicht ersetzen.

Die viel diskutierten Auswirkungen von Smartphones und sozialen Medien auf Kinder und Jugendliche sind zweifellos relevant. Lange Nutzungszeiten, Schlafmangel, psychischer Druck und problematische Inhalte können Schlaf, Wohlbefinden, Aufmerksamkeit und psychische Gesundheit beeinträchtigen. Sie können jedoch weder die Entstehung von Autismus-Spektrum-Störungen pauschal erklären noch sämtliche neurologischen, physiologischen und zellulären Fragen beantworten.

Vor allem konzentriert sich diese Diskussion auf Medieninhalte und individuelles Nutzungsverhalten. Weitgehend ausgeblendet bleibt dagegen die mögliche Bedeutung unfreiwilliger Umwelt- und Technikeinflüsse, denen auch Kleinkinder, Menschen ohne intensive Mediennutzung und die Bevölkerung insgesamt ausgesetzt sind.

Aus meiner Sicht stellt sich deshalb längst auch für Unternehmen, Sozialversicherungen und die gesamte Volkswirtschaft eine unbequeme Frage:

Könnte es am Ende teurer sein, diese offenen Forschungsfragen über Jahre nicht zu klären, als sie endlich unabhängig, interdisziplinär und ergebnisoffen untersuchen zu lassen?

Wissenschaftliche Forschung beginnt nicht erst, wenn ein kausaler Zusammenhang bereits bewiesen ist. Sie ist das Instrument, mit dem eine plausible und gesellschaftlich relevante Fragestellung überprüft, bestätigt oder verworfen werden kann.

Weiterführende Seiten

Quellen und weiterführende Grundlagen

Biologische Wirkungen, Wirkmechanismen und Schutzkonzepte

  • Belyaev, I., Dean, A., Eger, H., Hubmann, G., Jandrisovits, R., Kern, M., Kundi, M., Moshammer, H., Lercher, P., Müller, K., Oberfeld, G., Ohnsorge, P., Pelzmann, P., Scheingraber, C., & Thill, R. (2016). EUROPAEM EMF guideline 2016 for the prevention, diagnosis and treatment of EMF-related health problems and illnesses. Reviews on Environmental Health, 31(3), 363–397.
    https://doi.org/10.1515/reveh-2016-0011
  • International Commission on the Biological Effects of Electromagnetic Fields – ICBE-EMF. (2022). Scientific evidence invalidates health assumptions underlying the FCC and ICNIRP exposure limit determinations for radiofrequency radiation: Implications for 5G. Environmental Health, 21, Artikel 92.
    https://doi.org/10.1186/s12940-022-00900-9
  • Weller, S. G., McCredden, J. E., Leach, V., Chu, C., Lam, A. K.-Y., Redmayne, M., Simkó, M., & McLeod, M. (2025). A scoping review and evidence map of radiofrequency field exposure and genotoxicity: Assessing in vivo, in vitro, and epidemiological data. Frontiers in Public Health, 13, 1613353.
    https://doi.org/10.3389/fpubh.2025.1613353
  • Panagopoulos, D. J., Yakymenko, I., De Iuliis, G. N., & Chrousos, G. P. (2025). A comprehensive mechanism of biological and health effects of anthropogenic extremely low frequency and wireless communication electromagnetic fields. Frontiers in Public Health, 13, 1585441.
    https://doi.org/10.3389/fpubh.2025.1585441

Krebsrisiken und Neubewertung der IARC-Klassifikation

Krebs- und Reproduktionswirkungen in experimentellen Untersuchungen

  • Melnick, R. L., & Moskowitz, J. M. (2026). Exposure limits to radiofrequency EMF do not account for cancer risk or reproductive toxicity assessed from data in experimental animals. Environmental Health, 25, Artikel 42.
    https://doi.org/10.1186/s12940-026-01269-5

Hirnaktivität, Langzeitbeobachtung und oxidativer Stress

Mikrowellen-Höreffekt und Hochleistungsimpulse

  • Foster, K. R., & Balzano, Q. (2021). Can the microwave auditory effect be “weaponized”? Frontiers in Public Health, 9, 788613.
    https://doi.org/10.3389/fpubh.2021.788613
  • Dagro, A. M., Wilkerson, J. W., Thomas, T. P., Kalinosky, B. T., & Payne, J. A. (2021). Computational modeling investigation of pulsed high peak power microwaves and the potential for traumatic brain injury. Science Advances, 7(44), eabd8405.
    https://doi.org/10.1126/sciadv.abd8405

Schweizer Expositionsmonitoring

Technische Grundlage zu DAB+

Ergänzende Fachinformationen und Datenbanken

EMF:data. Forschungsdatenbank zu Studien und Dokumentationen über die Auswirkungen elektromagnetischer Felder.
https://www.emfdata.org/de/studienueberblick

International Commission on the Biological Effects of Electromagnetic Fields – ICBE-EMF. Offizielle Website.
https://icbe-emf.org/

Raschle, U. Wenn Mikrowellen hörbar werden – Frey-Effekt und Havanna-Syndrom.
https://urs-raschle.ch/mikrowellen-hoeren/

Diagnose:funk. DAB+ – Das neue digitale Radio.
https://www.diagnose-funk.org/grundwissen/weitere-strahlungsquellen/tv-rundfunksender-dab-dvb-t/dab-das-neue-digitale-radio