Wie OFDM, Nullsymbol, Rahmentakt und Gleichwellennetze das DAB+-Signal prägen
DAB+ ist nicht einfach eine hochfrequente Dauerwelle mit wechselnden Programminhalten. Das Signal besteht aus 1’536 gleichzeitig ausgesendeten Subträgern und besitzt eine exakt definierte zeitliche Organisation. Dazu gehören OFDM-Symbole, Schutzintervalle, ein alle 96 Millisekunden wiederkehrendes Nullsymbol sowie zusätzliche Signalisationsstrukturen.
Diese Eigenschaften sind für den zuverlässigen digitalen Empfang wichtig. Gleichzeitig bestimmen sie aber auch den zeitlichen Verlauf der Exposition. Gemittelte Feldstärken bilden diese Struktur nur teilweise ab. Für eine vollständige technische Beschreibung müssen deshalb auch Absenkungsdauer, Wiederholfrequenz, Oberwellen, Spitzenwerte und Flanken der Hüllkurve betrachtet werden.
Kernaussage
DAB+ ist eine dauerhaft vorhandene, zeitlich strukturierte Hochfrequenzexposition. Ihre technische Charakteristik wird nicht allein durch die Trägerfrequenz und die mittlere Feldstärke bestimmt, sondern auch durch regelmässige Pegelabsenkungen, Wiederanstiegsflanken, OFDM-Strukturen und die Überlagerung mehrerer Sender und Ensembles.
DAB+ unterscheidet sich grundlegend von UKW
Beim klassischen UKW-Rundfunk wird ein analoges Audiosignal durch Frequenzmodulation auf einen einzelnen Hochfrequenzträger übertragen. Die Amplitude des idealen UKW-Sendesignals bleibt dabei weitgehend konstant.
DAB+ verwendet dagegen ein digitales Mehrträgerverfahren. Innerhalb eines DAB+-Kanals werden zahlreiche digitale Programme und Zusatzdienste zu einem sogenannten Ensemble zusammengefasst. Das gesamte Ensemble wird gemeinsam als COFDM-Signal ausgesendet.
COFDM steht für Coded Orthogonal Frequency Division Multiplexing. Dabei wird die verfügbare Bandbreite nicht von einem einzelnen Träger belegt, sondern auf eine grosse Zahl eng benachbarter Subträger verteilt.
Diese Technik bietet wichtige Vorteile:
- robuste mobile Empfangbarkeit,
- bessere Beherrschung von Reflexionen und Mehrwegeausbreitung,
- gemeinsame Verbreitung zahlreicher Programme in einem Ensemble sowie
- Betrieb mehrerer Sender auf derselben Frequenz als Gleichwellennetz.
Der dafür notwendige Signalaufbau ist jedoch wesentlich komplexer und zeitlich stärker strukturiert als ein analoges UKW-Signal.
Ein Ensemble mit 1’536 Subträgern
Die terrestrischen DAB+-Netze in der Schweiz arbeiten im VHF-Band III und verwenden DAB Mode I. Ein Ensemble umfasst in diesem Modus 1’536 aktive Subträger, die innerhalb eines rund 1,5 MHz breiten Signalblocks gleichzeitig ausgesendet werden.
Der Abstand zwischen zwei benachbarten Subträgern beträgt 1 kHz. Jeder Subträger überträgt einen Teil der digitalen Information. Durch ihre mathematisch orthogonale Anordnung können die Träger sehr dicht nebeneinanderliegen, ohne sich bei idealer Synchronisation gegenseitig zu stören.
Ein einzelnes DAB+-Ensemble ist daher kein schmaler Sendeträger, sondern ein breitbandiger Block aus 1’536 geordneten Teilträgern. Werden an einem Standort mehrere Ensembles parallel betrieben, befinden sich gleichzeitig mehrere solcher Signalblöcke im Frequenzband.
Für eine technische Expositionsbeschreibung sind deshalb mehrere Ebenen zu unterscheiden:
- das gesamte DAB+-Frequenzband,
- die einzelnen Ensembles,
- die Subträger innerhalb eines Ensembles und
- der zeitliche Verlauf ihrer gemeinsamen Hüllkurve.
Die Zeitstruktur von DAB+ Mode I
DAB+ Mode I besitzt eine genau definierte zeitliche Organisation. Die wichtigsten Parameter sind:
| Parameter | Dauer oder Frequenz |
|---|---|
| Abstand der Subträger | 1 kHz |
| Nutzdauer eines regulären OFDM-Symbols | 1,000 ms |
| Schutzintervall | rund 0,246 ms |
| Gesamtdauer eines regulären OFDM-Symbols | rund 1,246 ms |
| Anzahl OFDM-Symbole nach dem Nullsymbol | 76 |
| Dauer des Nullsymbols | 1,296875 ms |
| Dauer eines Transmission Frames | 96 ms |
| Wiederholfrequenz des Transmission Frames | 10,4167 Hz |
Jeder Transmission Frame beginnt mit einem Nullsymbol. Danach folgen 76 weitere OFDM-Symbole. Das erste davon ist das Phasenreferenzsymbol; die übrigen Symbole übertragen Steuerungs- und Programmdaten.
Die Kombination aus Nullsymbol und 76 regulären Symbolen ergibt eine Gesamtdauer von exakt 96 ms. Damit wiederholt sich die grundlegende Rahmenstruktur 10,4167-mal pro Sekunde.
Diese 10,4167 Hz sind keine separat ausgesendete niederfrequente Trägerfrequenz. Sie entstehen aus der periodischen Organisation des hochfrequenten DAB+-Signals. Bei einer zeitaufgelösten Messung oder nach einer Hüllkurvendemodulation kann diese Periodizität jedoch als niederfrequente Struktur sichtbar werden.
Das Nullsymbol und der 96-ms-Rahmentakt
Jeder 96-ms-Transmission-Frame beginnt mit einem 1,296875 ms dauernden Nullsymbol. Während dieses Abschnitts wird das reguläre OFDM-Signal mit seinen 1’536 Subträgern unterbrochen.
Das Nullsymbol dient insbesondere der Rahmensynchronisation des Empfängers. Es markiert den Beginn eines neuen Transmission Frames und ermöglicht dem Empfangsgerät, den zeitlichen Aufbau des Signals zuverlässig zu erkennen.
Da sich dieser Vorgang alle 96 ms wiederholt, entsteht die charakteristische Grundperiodizität von 10,4167 Hz. Diese Struktur betrifft das gesamte Ensemble und ist deshalb in geeigneten Zeitbereichs- und Hüllkurvenmessungen deutlich erkennbar.
Das Nullsymbol beansprucht rund 1,35 Prozent der gesamten Rahmenzeit. Sein Einfluss auf einen über längere Zeit gebildeten RMS- oder Leistungsmittelwert bleibt deshalb gering. Im Zeitbereich stellt es dagegen eine markante und dauerhaft wiederkehrende Unterbrechung des regulären Signals dar.

Absenkungsdauer und Flanken des Nullsymbols
Die Dauer des Nullsymbols von rund 1,297 ms ist ein eigener technischer Expositionsparameter. Davon zu unterscheiden sind die wesentlich kürzeren Übergänge vom regulären OFDM-Signal zum Nullsymbol und zurück zum regulären Sendesignal.
Für die Beschreibung der Hüllkurve sind insbesondere folgende Grössen relevant:
- die Wiederholrate von 10,4167 Hz,
- die Absenkungsdauer von rund 1,297 ms,
- die Tiefe der Absenkung,
- die Dauer der Abfallflanke,
- die Dauer der Wiederanstiegsflanke sowie
- die absolute Amplitudenänderung während dieser Übergänge.
Je grösser die absolute Änderung der Hüllkurvenfeldstärke und je kürzer die Übergangszeit ist, desto grösser ist die Flankensteilheit. Sie kann vereinfacht als
beschrieben werden. Dabei bezeichnet die Amplitude beziehungsweise Hüllkurve der hochfrequenten Feldstärke.
Diese Hüllkurvenflanke darf nicht mit der momentanen Feldänderung des rund 200 MHz schnellen Hochfrequenzträgers verwechselt werden. Untersucht wird hier die Geschwindigkeit, mit der die Amplitude des gesamten DAB+-Signals beim Übergang zum Nullsymbol absinkt und danach wieder ansteigt.
Eine Darstellung in dB zeigt die relative Pegeldifferenz, erlaubt aber noch keine vollständige Bestimmung der absoluten Flankensteilheit. Dafür müssen die lineare Feldstärke und die tatsächliche Übergangszeit mit ausreichender Zeitauflösung gemessen werden.

TII als zusätzliche Struktur innerhalb des Nullsymbols
In Gleichwellennetzen kann während des Nullsymbols zusätzlich die Transmitter Identification Information, kurz TII, übertragen werden. Sie ermöglicht einem Empfänger, einzelne Sender zu identifizieren, obwohl alle Sender des Gleichwellennetzes dasselbe Ensemble auf derselben Frequenz ausstrahlen.
Das TII-Signal verwendet in Mode I nicht alle 1’536 Subträger. Ein einzelner Sender aktiviert dafür lediglich 32 ausgewählte Träger. Die übrigen Träger bleiben während des Nullsymbols abgeschaltet.
Die Leistung des gesamten TII-Signals liegt gemäss ETSI ungefähr 16 dB unter der Leistung eines regulären OFDM-Symbols. Bei einer schmalbandigen Betrachtung ausgewählter Träger kann die sichtbare Pegeldifferenz jedoch anders ausfallen.
TII wird nicht in jedem Transmission Frame, sondern nur in jedem zweiten Frame übertragen. Daraus ergibt sich eine Zweierfolge:
- Nullsymbol ohne reguläres OFDM-Signal und ohne TII,
- Nullsymbol ohne reguläres OFDM-Signal, aber mit TII auf 32 ausgewählten Trägern.
Die vollständige Folge wiederholt sich nach 192 ms. Dies entspricht einer Frequenz von 5,2083 Hz.
Damit bestehen zwei miteinander verbundene Zeitebenen:
- 10,4167 Hz: Absenkung des regulären OFDM-Signals in jedem 96-ms-Rahmen,
- 5,2083 Hz: vollständige Wiederholung der TII-Belegung über zwei aufeinanderfolgende Rahmen.
Die grundlegende und breitbandig besonders ausgeprägte Struktur bleibt die Absenkung des regulären Signals alle 96 ms. Das TII verursacht diese Absenkung nicht. Es fügt lediglich in jedem zweiten Nullsymbol eine schwache Signalisationsinformation auf ausgewählten Trägern hinzu.
5,2083 Hz als zusätzliche Messstruktur
In eigenen Hüllkurven- und FFT-Auswertungen wurde neben der dominanten Struktur bei 10,4167 Hz wiederholt auch eine Komponente im Bereich von 5,2 Hz beobachtet.
Für diese Komponente bestehen mehrere technisch zu unterscheidende Einflussfaktoren.
Der erste ist die TII-Zweierfolge. Da TII nur in jedem zweiten Transmission Frame übertragen wird, kann sich die vollständige Signalbelegung der Nullsymbole nach 192 ms beziehungsweise mit 5,2083 Hz wiederholen.
Der zweite betrifft die reale Summenhüllkurve am Messort. Mehrwegeausbreitung, mehrere zeitlich versetzt eintreffende Sender eines Gleichwellennetzes und parallel betriebene DAB+-Ensembles können die Tiefe und Form aufeinanderfolgender Nullsymbole verändern. In Verbindung mit der TII-Zweierfolge kann die 5,2083-Hz-Struktur dadurch verstärkt, abgeschwächt oder deutlicher sichtbar werden.
Eine statische Mehrwegeausbreitung allein erzeugt nicht automatisch eine neue Halbfrequenz. Dafür muss eine Signalfolge vorliegen, die sich erst nach zwei Transmission Frames vollständig wiederholt. Die periodische TII-Belegung stellt einen solchen systembedingten Zweierzyklus bereit.
Oberwellen des Rahmentakts
Das Nullsymbol erzeugt keine sinusförmige Modulation. Es handelt sich um eine kurze periodische Absenkung mit vergleichsweise steilen Flanken. Eine solche nicht sinusförmige Zeitstruktur besteht im Frequenzbereich nicht nur aus einer einzelnen Grundfrequenz, sondern aus einer Reihe von Oberwellen.
Ausgehend von 10,4167 Hz sind insbesondere folgende ganzzahlige Vielfache zu erwarten:
- 10,4167 Hz,
- 20,8333 Hz,
- 31,2500 Hz,
- 41,6667 Hz,
- 52,0833 Hz,
- 62,5000 Hz sowie
- weitere höhere Vielfache.
Wenn zusätzlich eine Zweierstruktur bei 5,2083 Hz vorhanden ist, kann auch diese Frequenz eine eigene harmonische Reihe bilden. Dabei ist 10,4167 Hz gleichzeitig die zweite Harmonische von 5,2083 Hz.
Welche Linien in einer konkreten FFT besonders deutlich hervortreten, hängt unter anderem von der Tiefe und Breite der Absenkung, der Flankenform, der Messbandbreite, der Detektion und dem gewählten Analysefenster ab.
Eigene Messungen in Bad Ragaz zeigen regelmässig die dominante Struktur bei 10,4167 Hz sowie zahlreiche Vielfache davon. Die gemessene Hüllkurve besteht damit nicht nur aus einem einzelnen niederfrequenten Takt, sondern aus einer breiten, geordneten Oberwellenstruktur.

Das 1-kHz-Raster der OFDM-Modulation
Der Abstand zwischen den 1’536 DAB+-Subträgern beträgt in Mode I exakt 1 kHz. Dieser Abstand hängt unmittelbar mit der Nutzdauer eines OFDM-Symbols von 1 ms zusammen:
Das 1-kHz-Raster ist somit ein grundlegender Bestandteil der DAB+-Signalarchitektur. Die regulären OFDM-Symbole dauern einschliesslich des Schutzintervalls rund 1,246 ms.
In eigenen breitbandigen Hüllkurvenmessungen wurden wiederholt ausgeprägte Linien bei ungefähr 1 kHz, 2 kHz und 4 kHz festgestellt. Diese Frequenzen entsprechen dem OFDM-Trägerabstand und ganzzahligen Vielfachen davon.
Die numerische Übereinstimmung begründet eine konkrete technische Zuordnungshypothese. Sie bedeutet jedoch nicht automatisch, dass DAB+ eigenständige niederfrequente elektromagnetische Felder bei 1, 2 oder 4 kHz aussendet. Die Linien werden erst nach einer Hüllkurvendemodulation beziehungsweise innerhalb einer Detektions- und Verarbeitungskette sichtbar.
Mögliche Einflüsse sind:
- die periodische Zeitstruktur des OFDM-Signals,
- die Summation zahlreicher Subträger,
- Differenz- und Mischprodukte bei nichtlinearer Detektion,
- die Demodulation der Hochfrequenzhüllkurve sowie
- Eigenschaften der eingesetzten Mess- und Verarbeitungskette.
Die wiederholte Beobachtung derselben Frequenzlagen ist messtechnisch relevant. Für eine eindeutige Herkunftszuordnung sind jedoch kontrollierte Vergleichsmessungen mit unterschiedlichen Bandbreiten, Detektoren und Signalquellen erforderlich.

Spitzenwerte und Crest-Faktor
Die 1’536 Subträger eines OFDM-Signals besitzen wechselnde Phasenlagen. Zu bestimmten Zeitpunkten können sich zahlreiche Teilträger konstruktiv überlagern. Dadurch entstehen kurzzeitige Amplitudenspitzen, die deutlich über dem Effektivwert liegen können.
Das Verhältnis zwischen Spitzenwert und Effektivwert der Amplitude wird als Crest-Faktor bezeichnet. Für Leistungen wird häufig die Peak-to-Average Power Ratio, kurz PAPR, verwendet.
Bei OFDM-Signalen können Werte in einer Grössenordnung von 10 bis 12 dB auftreten. Der tatsächlich gemessene Wert hängt jedoch vom Signal, vom Beobachtungszeitraum, von der Senderbegrenzung und von der Messmethode ab.
Die allgemeine Peak-to-Average-Charakteristik ist von der periodischen Nullsymbolstruktur zu unterscheiden:
- Der Crest-Faktor beschreibt obere kurzzeitige Signalspitzen.
- Das Nullsymbol erzeugt regelmässige Pegelabsenkungen.
- Die Flanken beschreiben die Übergänge zwischen beiden Signalzuständen.
Eine reine Spitzenwertmessung erfasst daher die Tiefe, Dauer und Wiederholung der Nullsymbole nicht vollständig. Umgekehrt bildet ein zeitlicher Mittelwert die kurzzeitigen Spitzen und die Flanken nicht getrennt ab.
Gleichwellennetze und Mehrwegeausbreitung
DAB+ wurde für den Betrieb in Gleichwellennetzen entwickelt. In einem Single Frequency Network, kurz SFN, senden mehrere räumlich getrennte Anlagen dasselbe Ensemble auf derselben Frequenz.
Die Sender eines solchen Netzes müssen ihr Signal zeitlich präzise synchronisieren. Am Empfangsort treffen die Signale aufgrund unterschiedlicher Entfernungen dennoch mit verschiedenen Laufzeiten und Phasenlagen ein.
Zusätzlich können Reflexionen, Beugung und Streuung weitere Ausbreitungswege erzeugen. Der Empfänger erhält damit mehrere zeitlich versetzte Ausführungen desselben Signals.
Das rund 246 µs dauernde Schutzintervall eines regulären OFDM-Symbols erlaubt dem Empfangssystem, solche Laufzeitunterschiede innerhalb bestimmter Grenzen zu verarbeiten. Ein technisch funktionierender Empfang bedeutet jedoch nicht, dass am Messort eine unveränderte Hüllkurve vorliegt.
Die Überlagerung kann:
- einzelne Frequenzbereiche verstärken oder abschwächen,
- die Tiefe eines gemessenen Nullsymbols verändern,
- Abfall- und Wiederanstiegsflanken verbreitern oder verformen,
- Restenergie während der Absenkung erzeugen sowie
- zeit- und ortsabhängige Hüllkurvenverläufe hervorrufen.
Das ist insbesondere in topografisch komplexen Regionen mit mehreren Ausbreitungswegen relevant. Die ausführliche Betrachtung von Gelände, Wetterlagen und möglichen Veränderungen der Ausbreitung erfolgt auf der Seite «Witterung, Topografie und Exposition».
Parallelbetrieb mehrerer Ensembles
Zusätzlich zur Mehrwegeausbreitung innerhalb eines Gleichwellennetzes können an einem Messort mehrere DAB+-Ensembles gleichzeitig vorhanden sein. Die Netze von SRG, SwissMediaCast und weiteren Betreibern verwenden unterschiedliche Frequenzblöcke und jeweils eigene Multiplex- und Senderstrukturen.
Innerhalb eines SFN müssen die Sender desselben Ensembles synchron arbeiten. Zwischen verschiedenen Ensembles und Netzbetreibern kann dagegen nicht ohne Messung von einer gemeinsamen zeitlichen Lage der Transmission Frames ausgegangen werden.
Bei einer frequenzselektiven Messung wird ein bestimmtes Ensemble untersucht. Die Nullsymbolstruktur dieses Ensembles kann dadurch getrennt dargestellt werden.
Ein breitbandiger Hüllkurvendetektor erfasst dagegen die gemeinsame Leistung aller Ensembles innerhalb seiner Empfangsbandbreite. Befindet sich ein Ensemble gerade im Nullsymbol, können andere Ensembles gleichzeitig reguläre OFDM-Symbole übertragen. Die Absenkung des ersten Ensembles wird dadurch in der breitbandigen Summenhüllkurve teilweise oder vollständig überdeckt.
Technisch handelt es sich nicht um eine gegenseitige Auslöschung der Ensembles, sondern um eine Überdeckung beziehungsweise Auffüllung der Absenkung durch andere, gleichzeitig vorhandene Signalanteile.
Zusätzlich können die TII-Belegung jedes zweiten Frames und unterschiedliche zeitliche Lagen der Ensembles übergeordnete Muster in der Summenhüllkurve erzeugen oder verstärken. Deshalb kann eine breitbandige Messung wesentlich komplexere Strukturen zeigen als die frequenzselektive Betrachtung eines einzelnen Ensembles.
Kernaussage
Eine frequenzselektive Messung beschreibt die Zeitstruktur eines ausgewählten Ensembles. Eine breitbandige Hüllkurvenmessung zeigt dagegen die komplexe Summe mehrerer Ensembles, Sender und Ausbreitungswege. Beide Messarten beantworten unterschiedliche technische Fragen und dürfen nicht unmittelbar gleichgesetzt werden.
Was Mittelwerte sichtbar machen – und was nicht
RMS- und Mittelwertmessungen sind wichtige Verfahren zur Bestimmung der durchschnittlichen Expositionshöhe. Sie zeigen jedoch nicht alle Eigenschaften eines zeitlich strukturierten Signals.
Eine Mittelwertmessung kann zuverlässig beschreiben:
- die gemittelte elektrische Feldstärke,
- die mittlere Leistungsflussdichte und
- die längerfristige energetische Exposition.
Sie beschreibt dagegen nicht getrennt:
- die 1,297 ms dauernde Absenkung,
- den Rahmentakt von 10,4167 Hz,
- die mögliche Zweierstruktur bei 5,2083 Hz,
- die Oberwellen der periodischen Absenkungen,
- die Tiefe einzelner Nullsymbole,
- die Abfall- und Wiederanstiegsflanken,
- die kHz-Strukturen einer detektierten Hüllkurve oder
- die wechselnde Überlagerung mehrerer Ensembles.
Auch eine reine Peak-Hold-Messung reicht dafür nicht aus. Sie hält vor allem die höchsten auftretenden Werte fest, während die wiederkehrenden Absenkungen und ihre zeitliche Organisation weitgehend verloren gehen.
Für eine umfassende technische Charakterisierung sind deshalb verschiedene Messgrössen erforderlich:
- RMS- beziehungsweise Mittelwert,
- kurzzeitige Spitzenwerte,
- frequenzselektive Kanalpegel,
- Zero-Span-Zeitverläufe,
- breitbandige Hüllkurven,
- FFT-Auswertungen sowie
- Angaben zu Bandbreite, Detektor und Zeitauflösung.
Technischer Befund und biologische Folgefrage
Die technische Existenz der 96-ms-Rahmenstruktur, des 1,297 ms dauernden Nullsymbols, der OFDM-Subträger und der TII-Organisation folgt unmittelbar aus dem DAB-Standard.
Eigene Messungen zeigen zusätzlich, wie sich diese Strukturen am Messort in Zeitbereich, Spektrogramm und FFT darstellen können. Dazu gehören insbesondere 10,4167 Hz, zahlreiche Oberwellen, zeitweise Komponenten bei 5,2 Hz sowie wiederholt beobachtete Linien im kHz-Bereich.
Die biologische Bedeutung dieser Merkmale ist davon getrennt zu untersuchen. Entscheidend ist zunächst, die reale Exposition vollständig zu beschreiben. Erst danach kann geprüft werden, ob Wiederholfrequenz, Absenkungsdauer, Flankensteilheit, Oberwellen oder kHz-Strukturen biologische oder wahrnehmungsbezogene Relevanz besitzen.
Diese Fragestellungen werden auf der Seite «Biologische Wirkfragen zeitlich strukturierter Hochfrequenzsignale» behandelt. Dazu gehören auch mögliche Bezüge zu neurophysiologischen Frequenzbereichen, der Frey-Effekt und weitere diskutierte Wirk- und Wahrnehmungspfade.
Fazit
DAB+ ist technisch weit mehr als eine hochfrequente Aussendung mit einem bestimmten Mittelwert. Ein Ensemble besteht aus 1’536 Subträgern und besitzt eine exakt organisierte Zeitstruktur.
Alle 96 ms wird das reguläre OFDM-Signal während eines rund 1,297 ms dauernden Nullsymbols unterbrochen. Dadurch entsteht eine grundlegende Periodizität von 10,4167 Hz mit zahlreichen Oberwellen. In jedem zweiten Nullsymbol können zusätzlich 32 ausgewählte Träger TII-Informationen übertragen, wodurch eine übergeordnete Struktur von 192 ms beziehungsweise 5,2083 Hz entstehen kann.
Schnelle Abfall- und Wiederanstiegsflanken, die allgemeine OFDM-Spitzendynamik, Gleichwellennetze, Mehrwegeausbreitung und der Parallelbetrieb mehrerer Ensembles prägen die tatsächlich auftretende Hüllkurve zusätzlich.
Eine reine Mittelwertbetrachtung erfasst die durchschnittliche Expositionshöhe, aber nicht die vollständige zeitliche Signalcharakteristik. Für eine nachvollziehbare technische und vorsorgeorientierte Beurteilung müssen daher auch Absenkungsdauer, Dip-Tiefe, Wiederholraten, Oberwellen, Flanken und die Summenwirkung mehrerer Signalquellen dokumentiert werden.
Technische Quellen und Grundlagen
ETSI EN 300 401 – grundlegender DAB-Standard
European Telecommunications Standards Institute. (2017). ETSI EN 300 401 V2.1.1: Radio Broadcasting Systems; Digital Audio Broadcasting (DAB) to mobile, portable and fixed receivers.
Der Standard beschreibt unter anderem COFDM, die 1’536 Subträger, das 1-kHz-Trägerraster, die 96-ms-Transmission-Frames, das Nullsymbol, das Schutzintervall und die TII-Signalisierung.
https://www.etsi.org/deliver/etsi_en/300400_300499/300401/02.01.01_60/en_300401v020101p.pdf
ITU-R BS.1114 – digitale terrestrische Rundfunksysteme
International Telecommunication Union. (2019). Recommendation ITU-R BS.1114-11: Systems for terrestrial digital sound broadcasting to vehicular, portable and fixed receivers in the frequency range 30–3’000 MHz.
Die Empfehlung beschreibt DAB als digitales terrestrisches Rundfunksystem und enthält technische Grundlagen zu OFDM, Übertragungsmodi, Rahmenstruktur und Gleichwellennetzen.
https://www.itu.int/dms_pubrec/itu-r/rec/bs/R-REC-BS.1114-11-201906-S%21%21PDF-E.pdf
Rohde & Schwarz – Grundlagen von OFDM und OFDMA
Rohde & Schwarz. (o. J.). RF Fundamentals – Part 6: Introduction to OFDMA.
Die technische Einführung erläutert Mehrträgerverfahren, Subträgerabstand, Orthogonalität, Symboldauer, Schutzintervalle, Mehrwegeausbreitung und die zeitliche Struktur von OFDM-Signalen.
BBC Research & Development – DAB-Sender und Signaldynamik
Wolmarans, A., Kesby, P. D., & Brown, P. G. (2024). DAB: Class B Amplifiers and Transmitter Efficiency. BBC Research & Development White Paper 423.
Der Bericht behandelt Eigenschaften von DAB-Sendersignalen, Verstärkertechnik, Wirkungsgrad und die besondere Amplitudendynamik von OFDM-basierten Rundfunksignalen.
https://downloads.bbc.co.uk/rd/pubs/whp/whp-pdf-files/WHP423.pdf
Eigene Messungen und Auswertungen
Capeder, R. (2026). DAB+ und biologische Wirkung: Fachbericht zur niederfrequenten Modulation und ihrer Relevanz für den Gesundheitsschutz.
Eigene frequenzselektive und breitbandige Messungen, Zero-Span-Darstellungen sowie Hüllkurven-, Spektrogramm- und FFT-Auswertungen aus Bad Ragaz. Die Messaufbauten, Geräteeinstellungen und vollständigen Ergebnisse werden auf der Seite «Messungen und Beobachtungen» dokumentiert.
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